Der Weinbau
in Hörstein
Jürwahr
ein köstlicher Tropfen ist's, der an den Berghängen oberhalb Hörsteins gedeiht.
Flüssiges, funkelndes Gold trägt hier die Erde." In solch schillernden Lobesworten
leitete der im Jahre 1968 verstorbene Ehrenbürger des Marktes Hörstein, Josef August
Eichelsbacher, seine Ausführungen über den Hörsteiner Weinbau im Sonderheft
zu den deutschen Gauen "Hörstein im Freigericht» im Jahre 1910 ein.
Wenn
auch der Weinbau - ähnlich wie die Landwirtschaft - durch die zunehmende Industrialisierung
mit ihren besseren und sicheren Erwerbsmöglichkeiten gerade im Rhein-Man-Gebiet in den
Jahren nach dieser Feststellung insbesondere aber nach dem 2. Weltkrieg stark gelitten hat,
so ist auch heute noch der Name Hörsteins, wie es einem rechten Weinbauort geziemt, mit
dem Anbau des edlen Rebensaftes verbunden.
Auch
heute prägen die schnurgerade gezogenen Weinberganpflanzungen an den Südhangen oberhalb
des Ortes das Landschaftsbild und selbst dem fremden Besucher im kilometerfressenden PS-starken
Kraftwagen wird aus Richtung Dettingen kommend gewahr, dass hier der Weinbau zuhause ist.
In
der Tat wird an den Hängen des Hahnenkamms oberhalb Hörsteins schon rund 1000 Jahre
Wein angebaut. Die ersten urkundlichen Nachweise verbinden Hörstein mit dem Weinbau (siehe
entsprechenden Abschnitt dieses Buches). Um das Jahr 1000 soll Abt Behringer für das Kloster
Seligenstadt in Hörstein einen Weinberg erworben haben.
Der
Besitz dieses Klosters an Weingärten in der Hörsteiner Gemarkung vergrößerte
sich rasch. Mehrere heute noch erhaltene urkundliche Nachweise berichten von Schenkungen und
Abtretungen an das Kloster Seligenstadt zur Anpflanzung von Reben.
Im
Jahre 1255 schenkt Wortwin von Aschaffenburg dem Kloster Seligenstadt einen Hof zu Hörstein
mit 4'/2 Morgen Weinberg und 2 Morgen Glockenacker. Ein weiterer urkundlicher Nachweis liegt
aus dem Jahre 1288 vor, als das Kloster von Conrad, einem Geistlichen, Sohn des Berthold von
Nuweheim, 2 Häuser mit Gütern und halbem Weinberg zu Hörstein erhielt. Im Jahre
1331 wurde dem Konvent des Klosters die Benutzung von 15 Morgen Weinberg bei Hörstein
gestattet. Die zahl reichen Erwerbsurkunden, Kauf- und Schenkungsbriefe, die Weinberge betreffen,
alle aufzuzählen, wäre zwecklos. Angeführt soll nur werden, daR der genannte
Weinbergsbesitz der Abtei bei ihrer Aufhebung durch den Reichsdeputationsschluß im Jahre
1802 insgesamt 42 Morgen betrug.
Die
Abtei hatte in den Jahrhunderten einen weinbaulichen Großbetrieb geführt.
Sie besaß am Abtsberg zwischen Wald und Weinbergen einen kleiner Sommer-
sitz der Äbte. An dessen Stelle wurde 1783 der Abtshof erbaut. Mit dem Weinbau
standen die übrigen Berechtigungen der Abtei in engem Zusammenhang 229 Schafe
durften die Äbte halten, die mit den 171 der Gemeinderechtler in den abteilichen
Schafhof zu treiben waren, damit der Schäfer alljährlich 100 Fuhre Mist als Wein-
bergdüngung abliefern konnte. Als Streu bekam er das Zehntstreu der Abtei zuge-
wiesen. Der Fahrer von Seligenstadt mußte alljährlich 3 Fuhren Tauber Mit M und
30 Fuhren Stallmist ohne Entschädigung über den Main setzen. Der Oberweinberg- mußte
Vieh halten, erhielt ebenfalls Zehntstroh und jährlich 36 Wagen Mist
für die Weinberge. Für genügende Weinbergs-Düngung war also wohl
vorgesorgt. Wir ersehen aus diesen Bestimmungen eine gut durchdachte Wirt-
schaftsplanung, die die Düngung der Weinberge in einem Turnus von 3 Jahren
durchführte.
Im
Jahre 1803 kamen die Klostergüter mit den Weinbergen in Hörstein an HessenDarmstadt,
1816 an das Königreich Bayern. Das Staatliche Weingut betrug in dieser Zeit und zwar genau
im Jahre 1820 7 Hektar und 74 Ar
1805 besaß das Königreich Bayern Weinberge von 8 ha und 62 a, wovon 6 ha und 65
a tragbare Fläche waren. Der Schwalbenwinkel war von MM an verpachtet' und wurde erst
noch und nach wieder als Weinberg angelegt.
Goldgruben
waren die staatlichen Weinberge nicht. Wohl gab es Jahre mit reichlicher Ernte, doch auch die
öfter äußerst geringen Erträge veranlaßten die Regierung zu wiederholten
Verkaufen von Weinbergen. So wurden 1855 4 4/3 Morgen am Kriegspfad, Kreuzpfad und im Schimberg
abgetreten.
Eine Rekordernte gab es im Jahre 1858 mit 4021 l pro Hektar.
Zahlreicher waren die Mittelernten mit 1000 bis 25W l Mostertrag je Hektor. Nur
all zu oft verzeichnete man in den staatlichen Weinbergen des vergangenen Jahr-
hunderts auch geringe Herbste mit Ertragen unter 1000 l je Hek 21 ganz krasses
Beispiel mag das Jahr 1864 gelten, wo auf einen Hektar nur 32 l kamen.
Im
Jahre 1916 erwarb der bayerische Staat das bis dahin im Eigentum des Direktors Reisert von
Dettingen stehende Weinberggelände im Räuschberg. Dieses Gelände vergrößerte
den staatlichen Weinbergbesitz in Hörstein um 4,6 ha Einige Jahre später kam noch
die Abteilung Langenberg vom Hofgut Wasserlos hinzu. Äußeres Zeichen des staatlichen
Weinbergbesitzes in Hörstein ist der Abtshof an der Mörmbriser Straße. Er diente
mehrere Jahrhunderte als Wohnung des Ober-Wingertsmannes und zu Herbstzeiten zur Unterkunft
von 20-30 Traubenleserinnen die man in früher Zeit zur Vermeidung von Traubenverschleppungen
meist von auswärts nahm.